SB5-Zeitzeugen gesucht

Wer war damals dabei?

Gewissheit können nur die geben, die damals maßgeblich an der Entstehung der D-6300 mitgewirkt haben. Mehrere Studentengenerationen und Clubmitglieder des Aero-Club Braunschweig e.V. müssen in der neunjährigen Bauzeit der D-6300 wohl mitgewirkt und dabei viel akademischen Schweiß vergossen haben.
SB5-Rohbau
So oder ähnlich könnte es damals in der Werkstatt des Aero-Club Braunschweig e.V. ausgesehen haben.

Mit der Lebenslaufakte und den zahlreich vorhandenen Dokumentationen lässt sich die Entstehungsgeschichte der D-6300 zwar recht gut nachvollziehen, aber die eigentliche Entstehungsgeschichte mit dem ganzen Drumrum ist natürlich nicht aktenkundig festgehalten. So gibt es keine Bilder vom Erstflug (fast unwahrscheinlich) oder von irgendwelchen Ausstellungen.

Das erste Dokument, datiert vom 01. Oktober 1959, ist eine Mitteilung der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt e.V., Prüfstelle für Luftfahrtgerät. In dem Schreiben wird dem Aero-Club Braunschweig e.V. auf Anfrage vom 23.09.1959 mitgeteilt, "...dass die Erteilung einer Genehmigung zum Bau eines weiteren V-Stückes eines noch in der Musterprüfung stehenden Musters in den Zuständigkeitsbereich des Luftfahrt-Bundesamtes, Braunschweig, Flughafen, fällt...". Der Antrag wurde urschriftlich dorthin weitergeleitet. Mit Schreiben vom 13. Oktober 1959 wurde daraufhin vom LBA die Nachbauerlaubnis abgelehnt, da grundsätzlich keine Erlaubnis zum Nachbau eines Flugzeugmusters erteilt werden könne, solange sich dieses in der Musterprüfung befinde.

Allerdings gab das LBA den dezenten Hinweis, dass dem Nachbau "unter bestimmten Auflagen" zugestimmt werden könne, wenn die Akaflieg bei der Behörde den Bedarf für ein zweites V-Muster anmelden würde. Bereits am 10. November 1959 stellte die Akaflieg diesen Antrag an das LBA, das dem Nachbau mit Schreiben vom 27. November 1959 endgültig zustimmte. Damit dürfte dieses historische Datum die "offizielle Grundsteinlegung" für die spätere D-6300 gewesen sein.

Am 18. April 1968 -also knapp 9 Jahre später- erteilte das LBA die vorläufige Verkehrszulassung, die bis 15. Mai 1968 befristet war. In der Zwischenzeit muss vermutlich eine große Zahl von Studenten der damaligen TH-Braunschweig am Bau der D-6300 beteiligt gewesen sein.

Der Erstflug ist im Bordbuch No. 1 unter dem Datum vom 20. April 1968 vermerkt. Der erste Flug war ein "Sprung auf 10 m Höhe", der zweite Flug ging bereits auf 450 m. Am ersten Flugerprobungstag sind 5 Starts mit einer Gesamtflugzeit von 31 Minuten eingetragen. Wer die Piloten waren, das geht aus dem Flugbuch allerdings nicht hervor, da es hierfür keine eigene Eintragsspalte gab. Es gibt im Bordbuch lediglich eine Spalte mit der Überschrift "Fluglehrer,Werkstattleiter, Bauprüfer, Behörden", in der ein Namenseintrag MÜLLER (damaliger Werkstattleiter der Akaflieg) zu finden ist.

Bereits am 24. Mai 1968, also vier Wochen später, wurde der erste Streckenflug durchgeführt. Gestartet wurde an diesem Tag aber nicht in Braunschweig, sondern in Diepholz. Die Landung erfolgte nach 3:45 Stunden und einer Strecke von 125 km in Enger. In den folgenden Tagen erfolgten weitere Streckenflüge über 10, 117, 138, 170 und am 01. Juni 1969 sogar ein Streckenflug von 240 km mit Landung in Verden/Schamhorst. Die Gesamtflugzeit für diesen Flug ist mit 6:38 Stunden im Bordbuch eingetragen. Bei allen Streckenflügen steht Jürgen Daube im Buch. Ob er allerdings auch der Pilot war, kann nicht mit Sicherheit festgestellt werden.

Die Erfolgsgeschichte der D-6300 wurde allerdings am 03. Juli 1977 in einem hochstehenden Kornfeld bei Walsrode-Schneeheide jäh unterbrochen. Der Rumpf wurde dabei völlig zerstört. Beim anschließenden Wiederaufbau wurde die ursprüngliche "b" in eine "e" umgebaut. Der Erstflug als 16m-Variante, verlängertem Cockpit und einteiliger Haube erfolgte fünf Jahre später am 03. April 1982. Auch in dieser Zeit müssen wohl viele "akademische Baustunden" in den Wiederaufbau und in die Umwandlung in eine "e"-Version eingeflossen sein.

Fotoserie Unfall D-6300

Um die Geschichte der D-6300 möglichst lückenlos nachzuzeichnen, suche ich nunmehr Zeitzeugen, die als Studenten am Bau und/oder als Piloten beteiligt waren. Ich suche alte Fotos, Zeitungsberichte zur SB5 sowie persönliche Erinnerung aus dieser Zeit. Wer also Material zur Verfügung stellen kann, wer am Bau mitgewirkt hat und sich noch daran erinnern kann, der sollte sich unbedingt bei mir melden.

Das mir zur Dokumentation überlassene Material wird entweder im Original archiviert, oder auf Wunsch auch nur eingescannt und dann schnellstmöglich wieder zurückgegeben. Besonders dankbar wäre ich für Niederschriften aus den Erinnerungen der Mitwirkenden, wobei das nicht unbedingt ausformuliert sein muss. Wem das zu mühsam ist, der könnte sich auch per email oder telefonisch bei mir melden. Gerne rufe ich auch zurück und lasse mir aus den Erinnerungen erzählen. Meine Kontaktdaten sind selbstverständlich auch im Impressum zu finden.

Ich würde mich riesig freuen, wenn ich mit "Zeitzeugenmaterialien" zugeschmissen werden würde.


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